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Hochleistungs-Carbonfaserrahmen im Test Flyee von Andrea Marini

by LiNichole 05 Feb 2026 0 Comments

Einleitung: Der Preis für Leistung

Auf dem heutigen Fahrradmarkt sind die Einstiegspreise für moderne Carbon-Rennräder mit Scheibenbremsen erschreckend hoch und grenzen fast schon an Exklusivität. Je tiefer wir in den Markt eintauchen, desto mehr scheint der „Markenaufschlag“ zu einer obligatorischen Zusatzgebühr für Leistung geworden zu sein. Das ICAN Triaero Flyee stellt jedoch eine clevere Abkehr von diesem Trend dar. Mit seinem erschwinglichen Rahmen revolutioniert es die Marktlandschaft, indem es ein komplettes, UCI-konformes modernes Carbonfaser-Kit für unter 800 € anbietet. In einer Zeit, in der Sicherheits- und Qualitätszertifizierungen oft als Rechtfertigung für vierstellige Aufschläge herangezogen werden, wirft das Flyee eine entscheidende Frage auf: Wie viel unserer Investition fließt wirklich in die Carbonfaser selbst und wie viel wird für Marketing ausgegeben?

Andrea Marin aus Italien hat den Flyee-Rahmen auf seinem YouTube-Kanal vorgestellt:

Logistikvorteil: Eine chinesische Marke mit europäischer Seele

ICAN zeichnet sich durch seine ausgereifte Infrastruktur aus und umgeht damit effektiv die üblichen Fallstricke des Fernversands. Durch die Einrichtung physischer Lagerhäuser in Deutschland ist es dem Unternehmen gelungen, seine Lieferkette zu europäisieren.

Dieses Modell des „europäischen Direktversands” beseitigt Unsicherheiten beim Zoll und reduziert die Lieferzeiten für vorrätige Artikel auf nur sechs Werktage. Beachten Sie jedoch einen wichtigen Unterschied: Während Standardartikel blitzschnell geliefert werden, erfordern die individuellen Farb- und Schriftoptionen von ICAN, die aus dem chinesischen Lager versandt werden, eine etwas längere Lieferzeit. Diese logistische Transparenz unterscheidet ICAN von Wettbewerbern, die oft mit Rückständen am Black Friday und ungewissen Lieferzeiten zu kämpfen haben.

Vorteile des Flyee-Rahmens

Geometrie und die Realität des „Reichweites“

Traditionelle Größenangaben sorgen bei modernen Radfahrern zunehmend für Verwirrung. Die Geometrie des Triaero Flyee erfordert eine technische „Realitätsprüfung“. Der Rahmen der Größe M52 verfügt über eine 52 cm lange Sattelstütze (gemessen vom Tretlager bis zur Sattelstützenklemme) und ist damit deutlich höher als viele „mittlere“ Rahmen mit aggressiveren Steuerrohrwinkeln.

Sich jedoch ausschließlich auf das 54,6 cm lange horizontale Oberrohr zu konzentrieren, ist ebenso irreführend. Die einzige wirklich relevante Messgröße ist hier der „Reichweitenwert”. Die Reichweite des Flyee M52 beträgt 38,3 mm und entspricht damit fast der Reichweite eines 54 cm Specialized SL8 Tarmac. Diese Geometrie richtet sich an Fahrer, die präzise Leistung gegenüber willkürlichen Größenangaben bevorzugen.

Flyee Engineering Design: Gewicht und Carbonfaserzusammensetzung

Der Rahmen besteht aus einer ausgeklügelten Mischung aus Toray T700- und T800-Carbonfasern, die an kritischen, stark beanspruchten Verbindungsstellen mit hochmoduligen T1000-Carbonfasern verstärkt sind. Dies maximiert die Kraftübertragungseffizienz, ohne unnötiges Gewicht hinzuzufügen.

Für einen vollständig lackierten Rahmen ist sein gemessenes Gewicht außergewöhnlich wettbewerbsfähig:

● Rahmengewicht: 775 Gramm (lackiert, einschließlich Schaltauge).

● Gabelgewicht: ca. 360 Gramm (ohne Gabelschaft).

● Sattelstützengewicht: 90 Gramm.

Das Erreichen eines lackierten Gewichts von unter 800 Gramm in dieser Preisklasse zeugt von einer Fertigungseffizienz, die mit den renommiertesten „Leichtbau”-Spezialisten der Branche konkurrieren kann.

T47-Standard und interne Handwerkskunst

Aus Sicht der Wartung verwendet Flyee den T47-Gewinde-Tretlagerstandard. Dieses Design umfasst ein aluminiumverstärktes Tretlagergehäuse – zwar erhöht dies das Gewicht um einige Gramm, löst jedoch vollständig das Problem des „Pressfit-Klapperns”, das viele reine Carbonfaser-Tretlager plagt. Dies ist zweifellos eine Hommage an „Heimwerker”, die Haltbarkeit gegenüber marginalen Leistungssteigerungen den Vorzug geben.

Die vielleicht vernichtendste Kritik an „Premium-Marken“ verbirgt sich im Rahmen. Während einige renommierte Hersteller die Hohlräume im Rahmen oft mit Carbonfaserfragmenten und überschüssigem Harz füllen, ist das Innere von Flyee erstaunlich sauber.

Ich habe Rahmen von Top-Marken gesehen, bei denen man die Carbonfasersplitter buchstäblich mit den Fingern fühlen konnte... bei diesem Rahmen spürt man jedoch nichts. Das ist wirklich unbeschreiblich.

Moderne Vielseitigkeit und Ästhetik

Das Design von Flyee entspricht den aktuellen Standards für Rennräder und ist für Reifen von 25 mm bis 32 mm geeignet. Es verfügt über eine klassische runde Sattelstütze mit 27,2 mm Durchmesser – allerdings ist dies der einzige Kritikpunkt unter den Rezensenten. Die glänzende Oberfläche der Sattelstütze passt nicht zu den von Enthusiasten bevorzugten unlackierten Carbon-Lenkern. Eine „unlackierte” Ausführung würde nicht nur das Gewicht reduzieren, sondern auch die optische Einheitlichkeit des Fahrrads verbessern.

In ästhetischer Hinsicht bieten sie seltene Individualisierungsmöglichkeiten wie einen Farbverlauf von „Pink zu Silber” mit goldenen Aufklebern. ICAN ermöglicht es Kunden, personalisierte Farben und Schriftarten direkt über sein Portal auszuwählen, wodurch der „Boutique”-Service, der normalerweise High-End-Marken vorbehalten ist, demokratisiert wird.

Fazit: Demokratisierung der Geschwindigkeit

Der ICAN Triaero Flyee ist mehr als nur eine „erschwingliche“ Alternative; er ist ein hoch angesehenes Hardwareprodukt, das die Notwendigkeit von 4.000-Euro-Rahmensätzen in Frage stellt. Mit einem Preis von 765 Euro für das Komplettpaket – einschließlich Rahmen, Gabel und Sattelstütze – ist er der günstigste 2025 UCI-zertifizierte Hochleistungsrahmen aus Kohlefaser.

Angesichts der weiter steigenden Preisobergrenzen in der Branche erinnert uns der Flyee daran, dass „absolute Qualität“ nicht mehr ausschließlich den Eliten der World Tour vorbehalten ist. Wir müssen uns fragen: Bezahlen wir für die Technik unter unseren Füßen oder für den Namen des Fahrers in der Fernsehwerbung? Für Fahrer, die greifbare Realität über den Hype der Branche stellen, wird die Antwort immer klarer.

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